Der Bewerbungsprozess war für mich leider enttäuschend und nicht empfehlenswert. Vor dem Gespräch wurde ein konkretes Roleplay-Szenario verschickt, auf das man sich als Kandidat vorbereiten sollte. Die Aufgabe war klar beschrieben: Zuerst sollte man durch die eigenen Vorbereitungsschritte für einen Kunden-Call führen, anschließend sollte ein Roleplay mit dem beschriebenen Kunden stattfinden. Das Szenario bezog sich auf einen bestehenden LSEG-Kunden, bei dem man als neuer Account Manager mit begrenzten Vorinformationen einen Termin vorbereiten und anschließend das Kundengespräch führen sollte.
Im eigentlichen Interview wurde diese vorbereitete Aufgabe jedoch von Anfang an nicht wie angekündigt genutzt. Statt das vorab definierte Szenario aufzugreifen, wurde direkt ein anderes Szenario gewählt. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass die Interviewer entweder nicht ausreichend auf die verschickte Aufgabe vorbereitet waren oder sich intern nicht abgestimmt hatten.
Für mich war das nicht nur enttäuschend, sondern auch ein klares Warnsignal. Wenn Bewerber Zeit investieren, um sich auf eine konkrete Aufgabe vorzubereiten, und diese Aufgabe dann im Gespräch ohne nachvollziehbare Erklärung durch ein anderes Szenario ersetzt wird, wirkt der Prozess wenig wertschätzend und inkonsistent. Gerade für eine Account-Manager-Rolle, in der Vorbereitung, klare Kommunikation, Abstimmung und Verlässlichkeit zentrale Fähigkeiten sind, war diese Erfahrung für mich kein positives Signal.
Besonders kritisch empfand ich den Eindruck von „moving targets“. Wenn bereits im Bewerbungsprozess die Spielregeln und Erwartungen nicht stabil bleiben, stellt sich die Frage, wie klar Ziele, Prioritäten und Erfolgskriterien später im Job gesetzt werden. Für eine vertriebsorientierte Rolle, in der man an Targets gemessen wird, ist das aus meiner Sicht ein erhebliches Risiko. Selbst bei einem Angebot hätte ich dieses daher sehr wahrscheinlich abgelehnt, weil der Prozess für mich Hinweise auf einen Managementstil und eine Unternehmenskultur gegeben hat, in der es herausfordernd sein könnte, Ziele planbar und erfolgreich zu erreichen.
Der Prozess war fachlich nicht besonders schwierig, aber in der Durchführung enttäuschend. Ich würde anderen Bewerbern empfehlen, sehr genau abzuwägen, wie viel Zeit sie in diesen Prozess investieren möchten, und parallel definitiv andere Optionen zu verfolgen.